Das Problem mit der Lücke oder: Das Universum kann hellsehen.

Sollte jemand an dieser Stelle einen astronomisch gefärbten Beitrag erwarten (oder erwünschen), so muss ich leider zumindest diesbezüglich eine Absage aussprechen. Sonne, Mond und Sterne machen wir ein anderes Mal – und auch das mit den Tarot-Karten heben wir uns für einen zukünftigen, deutungsschwangerereren Moment auf. Interessanterweise werde ich wohl aus beiden Astro-Lagern den einen oder anderen Kopfschüttler ernten, aber das ist sowohl zu erwarten, als auch zu verschmerzen.

Die Lücke ist aus meiner Sicht eine der am sträflichst missverstandenen Zeiträume, derer wir uns immer wieder konfrontiert sehen und deren Effekte uns mitunter Jahre an wertvoller Lebenszeit kosten können. Dabei ist gar nicht die Lücke an sich das Problem, als vielmehr die Tatsache, dass wir sie zeitlich gesehen verstreichen lassen. Für viele Menschen können Lücken, wie zum Beispiel Wartezeiten auf Bus oder Bahn, eine höchst belastende Verschwendung von Lebenszeit darstellen. Aus meiner Sicht ist das lediglich tote Zeit, in der nichts passiert, die man aber auch nur schwerlich mit sinnvoller Beschäftigung füllen kann. Ich höre in solchen Zeiten meist Musik und denke nach oder denke bewusst an Nichts, wonach mir gerade eben mehr der Sinn steht. Doch diese Wartezeiten ohne nachhaltigen Effekt meine ich nicht und auch nicht Reisezeiten oder Pausen.

Die Lücke, ist der Zeitraum zwischen einer Intuition (Bauchgefühl) und der anschliessenden Arbeitsaufnahme des Besserwissers (Gehirn). Als hochkulturelle Pseudofaktengesellschaft sind wir es gewohnt, die Lücke auszusitzen und dann auf die Denk- & Rechtfertigungsarbeit des Schwabbels zu warten, der logisch zu beweisen versucht, warum man auf die Intuition (natürlich) genau nicht hören soll, braucht oder darf. Ich habe dies -wie die meisten von uns- lange Wegstrecken meines bisherigen Lebens auch so gehandhabt und im Argumentieren war ich eh immer ganz großartig auf der Vermeidungsstraße unterwegs.

Später -aber vor allem hinterher- ist man ja zumeist schlauer und bemerkt nicht selten, dass man damals eigentlich sofort dieses oder jenes hätte tun oder etwas anderes hätte lassen sollen. Ein herzerfüllendes Ereignis mag mir als ganz aktuelles Beispiel zur Anschaung dienen: vor einigen Tagen schwolg ich in Erinnerung an einstige Schulzeiten und ward mir meines Klassenlehrers aus der siebten bis neunten Klasse bewusst und musste plötzlich lachen, weil mir auch seine hämische Lache einfiel, die mir auch nach Jahrzehnten noch wie gestern im Ohr liegt. Natürlich machte ihn nicht nur sein Lachen oder sein Humor aus, sondern eben seine sehr weltoffene, locker-legere Lebenseinstellung gepaart mit nötiger Strenge und Autorität. Da man ihm anmerkte, dass er seinen Beruf als Lehrer und Pädagoge sogar ernst nahm, war der Unterricht didaktisch gut und wir hatten je nach Thema Spaß an Unterricht. An den Hausaufgaben freilich weniger, aber das lag eher an meiner damaligen Gegen-Alles-Rebellion.

Es gibt ja diese Momente im Leben, die man in der Rückschau als ganz besondere, ganz prägende oder ganz aufrüttelnde Erlebnisse definiert und auf die man so vieles zurückführt. Ein solch eindrückliches Erlebnis begann, als für den Deutschuntericht als Hausaufgabe eine Geschichte zu schreiben galt. Hier machte meine Gegen-Alles-Rebellion gerade Urlaub, denn mein Enthusiasmus war wieder erweckt. So schrieb ich also eine Grusel-Geschichte, weil es zu der Zeit zuhause angesagt war, Dracula-Hörspiele rauf und runter zu hören. Natürlich war es mir damals wichtig, die Geschichte auch vorzulesen, denn meinem Wunderwerk der Schriftstellerei musste gehuldigt werden. Mein Lehrer war begeistert, vermutlich aber weniger, weil ich ein bellestristisches Meisterwerk verfasst hatte, sondern weil er Talent in mir gesehen hatte, dass es zu fördern galt. Hieraus entsprang sein Auftrag an mich, diese Geschichte zu erweitern und so niederzuschreiben, dass man sie einsenden konnte. Dieses an-mich-glauben war die Initialzündung, das Schreiben richtig zu beginnen und eben Geschichten zu erzählen. Mir ist dies bis heute im Herzen verblieben, denn mein lieber Lehrer hat damals ganz entscheidene Weichen gestellt. Ohne ihn, hätte es diesen Blog nicht gegeben und viele Briefe, die ich an Menschen verfasste, wären ungeschriebene Gedanken geblieben.

Wenn die Herzensangelegenheit andockt, merkt man es ganz klar und deutlich.
Das Schreiben ist meine. 🙂

Ichselbst

Die Erinnerung an diesen Moment hat bei mir ein starkes Bauchgefühl ausgelöst, begleitet von intensiven Emotionen. Ich spürte überdeutlich, dass ich einen Brief schreiben musste, um Danke zu sagen. Die Zeilen flossen mir aus den Fingern und ich war nach einmaligem Querlesen schnell fertig. Seine E-Mail-Adresse war schnell wiedergefunden und der moderne Brief ging auf reisen. Gleichsam kerhten in mir Friede und große Freude ein, die mich weinen ließen, weil ich mich glücklich fühlte. Es war das Richtige gewesen, man spürt es, wenn es so ist.

Als wenige Tage später eine Antwort in mein Postfach einging, hielt ich beim Lesen fast fortwährend die Luft an, weil es so tolle, gefühlvolle, dankbare und liebe Zeilen waren. Bin ich froh, die Lücke nicht abgewartet zu haben! Sobald es die Umstände wieder erlauben, werden wir uns treffen und viele Geschichten austauschen: es wird toll werden! Ein wichtiger Mensch mehr in meinem Leben, bei dem die Schwingung passt.

Ich unterstelle, dass wir alle schon Lücken-Momente hatten und uns an entsprechende Erfahrungen erinnern. Manchmal mögen wir verpassten Chancen nachweinen, manchmal werden wir heilfroh sein, doch auf das Bauchgefühl gehört zu haben. Weiterhin unterstelle ich, dass wir, um dem Weg des Herzens zu folgen, immer dem Bauchgefühl folgen müssen.

Ich glaube daran, dass wir alle einen Lebensweg vor uns haben, der -zumindest zum Teil- vorbestimmt ist. Das Universum als Platzhalter für den Einen oder das große Alles im spirituellen Sinne, mag uns über das Bauchgefühl ein Kompass sein, der uns einnordet, wenn wir in die falsche Richtung gehen. Wer in welche Richtung geht, ist freilich unterschiedlich und sollte nicht bewertet werden, denn wir alle sind mit einem individuellen Plan unterwegs. Wenn wir uns wirklich und wahrhaftig weiterentwickeln wollen, müssen wir die Gedankenmaschinerie in den Leerlauf schalten, damit wir hören und spüren können, was man uns mitteilen möchte. Lasst uns alle gegenseitig darin bestärken, weniger den Straßenkarten der Gesellschaft und des Kapitalimus zu folgen als vielmehr unserem inneren Kompass.

Das Leben gibt einem nicht das, was man will, sondern das, was man braucht.

Unbekannt

Hierdurch erlangt man einen feinen Blick für sich und seine Bedürfnisse und kann das eigene Potential freier entfalten. Was wissen schon die Anderen, ausser alles besser?

Ganz zielgerichtete Wünsche.
Stephan Keßler

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