Dinge die gut tun und Türen öffnen.

Draußensein. Frischluft. Sonnenlicht. Bewegung. Mitwanderer. Zugegeben: anfangs war ich ob dieser Rahmenbedingungen doch sehr herausgefordert, als ich mich Barbara von Klaas‘ Wandergruppe anschloss. Weil das Universum ja clever ist, habe ich als erste Wanderung sogleich einen 50km-Gewaltmarsch bei 45 Grad im Schatten -durch die Wüste- absolvieren dürfen … jedenfalls fühlte es sich so an. Der Überforderung entlarvt, war mein inneres Gleichgewicht sagen wir schiefstehend, aber stabil: das Durchschnittsalter war gefühlt 70 und das geht ja nicht, dass mir die mehr als rüstige Rentnertruppe davonläuft. Da muss man sich anerkennend verneigen vor soviel Disziplin und Sportlichkeit im hohen Alter! Natürlich übertreibe ich mit den 50km ein wenig, aber bergauf-bergab bei hochsommerlichen Temperaturen und vielen Etappen unter freiem (!) Himmel als Schreibtischbleichgesicht haben rote Spuren auf meiner behüteten Haut hinterlassen. Das ist doch bestimmt schmerzensgeldligaverdächtig! Schließlich hat mich die Tatsache, dass der Gruppenvorderste zugleich Gruppenältester war, dann doch Demut gelehrt. Vielleicht muss nicht erwähnt werden, dass mein freches Mundwerk -auf meinen Körper bezogen- die längste Kondition an den Tag legte. Auf lange Sicht hatte allerdings mein Muskelkater den längsten Atem.

Barbara, die Bereichernde

Ich mag ja Menschen sofort, die ruhig auftreten, überlegt handeln, vorbereitet sind und einfach wissen, was sie tun, ohne ein Gehäberle zu veranstalten. Barbara als „Zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin“ ist eine von diesen uneitlen Perlen, die gleichsam eine der schönsten ist. Sie scheint mit ihrer Natürlichkeit, strahlt selbstverständliche, gute Laune aus, glänzt mit Überzeugung und Sicherheit in Ihrer Aufgabe und bildet sich nichts darauf ein: wie großartig. Sie war mir gleich symphatisch mit ihrer unaufdringlichen Art, um derer ich sie sogar etwas beneide.

Barbara von Klass in ihrem Element.
Barbara in ihrem Element.

Barbara lebt auf ihren geführten Wandertouren eine Fähigkeit, die mich fasziniert: sie lässt die Gruppe lose laufen, hat sie dennoch beisammen und ist überall mit dabei, ohne aber zu bemuttern. Alle haben die Möglichkeit mit ihr zu sprechen, sich auszutauschen, aber -so jedenfalls mein Eindruck- man kann sie nicht belagern; jeder der mag, kann teilhaben. Und mal ehrlich: wer mir heute auf einer Wanderung die Gräser, Sträucher und Blumen am Wegesrand benennen kann, hat ohnehin gewonnen. Da hilft auch nur noch rettender Eigenhumor, um die eigene Unwissenheit wegzuschummeln: „Alles bis Hüfte ist Gras, alles drüber sind Sträucher; wenn die dicke Stämme haben, sinds Bäume.“

Sehr gefallen hat mir auch ihre Reaktion während der Gespräche über meinen verstorbenen Bruder, der zu diesem Zeitpunkt erst 4 Monate tot war. Ruhig, interessiert, unaufgeregt und ohne eine Opferrolle zu fördern: hat genau gepasst, danke!

Auf der berüchtigten Wandertour in/ durch die Wahner Heide war ich dann sommersonnenbedingt vorbereitet, wie man unschwer erkennen kann. Was für kleine Kinder hilft, kann für große Jungs ja nicht verkehrt sein und ich bin auch einfach kein Mützentyp. Gut eingecremt ging es in Troisdorf erst durch die Innenstadt und dann durch ein Wäldchen. Der landschaftliche Wandel auf dem Weg zur eigentlichen Wahner Heide hat mich fasziniert, weil es mir vorkam, als wandere man durch ein verzaubertes Tal und kommt dann in einer anderen Welt an. Ich fand mich plötzlich zwischen von Heidekraut beränderten Sanddünen wieder, was mich tief berührte. Hätte man mir mitgeteilt, dass hinter der nächsten Düne das Meer anbrandet, es wäre für mich nichts Unglaubwürdiges an dieser Aussage gewesen. Von allen Wanderungen, an denen ich teilnahm, hat diese den deutlichsten und längsten Nachklang.

Ich in der prallen Sonne.

Grünstoffbelastung

Ich habe mich eigentlich nie näher für Natur, Bäume, Pflanzen im Allgemeinen oder Wandern interessiert, allerdings war ich Dokus hierüber nie abgeneigt. Anfassen? Vorsicht! Was mich ja in eine unkomfortable Aushaltsituation bringt, ist die Tatsache, das irgendwie immer alles was lebt den unbedingten Drang verspürt, mich zu berühren, an mir festzukletten und mich aufzufressen … während die Sonne die obersten Hautschichten grillt – vielleicht schmeckt man dann ja besser??

Ich merke in der Natur, dass ich da nicht gut aufgehoben bin, jedenfalls noch nicht. Ob das im Alter mal noch anders wird kann gut sein, man entwickelt sich ja weiter, vielleicht schwingt das irgendwann mit mir, oder besser gesagt: schwinge ich mit der Natur. Dennoch ist frische Luft ja nicht verkehrt und die Bewegung hielt sich im Rahmen des Akzeptablen. Das Schwitzen gestaltet sich immer wieder als Hürde: Unterwäsche ist nicht erfunden worden, um am Körper zu kleben! Dennoch schätze ich die gemachten Erfahrungen und besonders die Begegnungen mit den vielen Mitwanderern, da sie mich während einer sehr schwierigen Phase meines Lebens begleitet haben. Vielleicht gehen wir ja nochmal gemeinsam auf eine Wanderung 🙂

Galerie: „Wahner Heide“

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Verlinkungen zu Barbara von Klass:

Instagram: Naturbewegung
Facebook: barbara.vonklass
Nächste Wanderung: Geführte Feld-, Wald- und Wiesenwanderung mit spektakulären Ausblicken

Sei gut zu Fuß.
Stephan Keßler

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2 Antworten auf „Dinge die gut tun und Türen öffnen.“

  1. Lieber Stephan…
    Dein Bericht rührt mich an…

    Ich gebe zu bedenken, dass wir eigentlich alle gut aufgehoben sind in der Natur, denn… sie fällt kein Urteil über uns!

    Ich kann mich ins Gras legen, in eine Pfütze springen, einen Baum umarmen… und alles lässt sie zu – die Natur… und vor allem: Sie lacht nicht darüber… in der Natur kann ich sein, wie und wer ich bin…

    Vielleicht magst Du es einmal versuchen…

    Ich grüße Dich herzlich!
    Barbara

    1. Liebe Barbara,
      herzlichen Dank für Dein schönes Feedback und Deine Ermutigung für mehr Natur! 🙂

      Diese Gedanken gehen mir gerade auch durch den Kopf ..
      Mal sehen, wie der Weg zu mehr Natur zu bewerkstelligen ist.

      Herzliche Grüße
      Stephan

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