Leckgeschlagen: wenn eine Freundschaft untergeht.

Während der Corona-Zeit habe ich mit manchen Menschen intensive Gespräche geführt und zum Teil emotionale Erfahrungen gemacht, die mich tatsächlich eine Weile nicht ganz losgelassen haben. Was als Aufklärungs- oder vielmehr Aufrüttelversuche zweier Freunde mir gegenüber begann, endete in Rissen und Scherben auf allen Seiten. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, bin neuen Impulsen gegenüber höchst einladend aufgestellt und erfreue mich an jeder neuen Erkenntnis, die ich machen darf. Wahrheiten müssen für mich kausal nachvollziehbar und faktisch überprüfbar sein sowie in Summe für möglichst alle einen positiven Mehrwert besitzen – mal auf die Gründsätze heruntergebrochen. Ein fairer Umgang mit Meinungsfreiheit war mir nie fremd, allerdings habe ich immer auch zwischen Meinung und Faktum unterschieden, so genau mag ich dann doch sein. Man kann Meinungen gelten lassen, aber wer sich selbst weiterentwickeln möchte, kommt an einem fakten-orientierten Denken kaum vorbei. Wie will man denn die ursächlichen Gründe für Fehlschläge, Irrwege bzw. Irrungen und Fehler ergründen, wenn nicht dadurch, kausale Zusammenhänge zu erschließen? Als meine Freunde genau dieses Prinzip ins Lächerliche zogen und munter Verschwörungstheorien verbreitete, Fakten ignorierten und Falschmeldungen unterstrichen, lebte ich richtig auf und erfreue mich einer reichhaltigen Diskussion. Ich informierte mich auf breiter Ebene und recherchierte offiziellen Zahlen nach – auch um für mich selbst sicher zu gehen, dass ich nicht einfach Berichten blind glaubte. Was dann über Monate folgte, war aufwühlend.

Ab Anfang 2020 war klar, dass Corona ernst wurde – jedenfalls wenn man offiziellen und seriösen Berichterstattungen glauben wollte. Ab Mitte des Jahres dann tauschte ich mich schon etwas angespannter über die Pandemie und erste Impfvorhaben mit meinen Freunden aus und merkte in Ansätzen, dass da schon viel Emotionen unter der Oberfläche schwelten. Anfang 2021 beobachtete ich bei einem von beiden, der aus einem politischen Interesse heraus bis dato bereits regelmäßig KenFM und andere, alternative Medien konsumiert hatte, dass er auf die deutlich zunehmende Berichterstattung aufklärerischer Kanäle und Enthüllungsjournalismus geradezu magnetisch reagierte. Tatsächlich hatten wir uns vor noch längerer Zeit schon ausgiebig über den Kabarettisten Volker Pispers unterhalten, der mit seinem anprangernden Bühnenprogramm sehr aufrüttelnd wirkte. Legt man dessen Aussagen kritisch an unsere Gesellschaft und Politik an, muss man zugestehen, dass da so einiges passgenau stimmt.

Von einer Verschwörungstheorie war da allerdings noch nicht die Rede, vielmehr habe ich die eigene Beobachtung vertreten, dass sich die Gesellschaft -soziologisch gesehen- aufgrund von Gruppendynamik, Ego und Bequemlichkeit so entwickelt hat. Vielleicht sind das eben Strömungen, die durch eine Bevölkerung ziehen müssen, damit man auf die nächste Erkenntnisstufe gelangen kann. Jedenfalls habe ich mich immer gegen eine einzelne Macht-Elite ausgesprochen, da die Bemühungen unserer Politiker, die Gesellschaft in welche Richtung auch immer bewegen zu wollen, in den letzten Jahrzehnten zumeist gescheitert war. Wie soll das eine kleine, weltweit operierende Gruppe schaffen? Dazu sind in der Welt zu viele grundlegend verschiedene Ideologien manifestiert.
Das der „großartige, alternativlose und für alle das Beste wollende Kapitalismus“ am Ende gewinnt ist tragisch genug und liegt letztlich auch am Ego: es ist einfach sehr befriedigend, wenn man mehr Macht und Materielles besitzt als andere und damit sein Geltungsbedürfnis voll befriedigen kann. All das ist eben durch Geld und Macht möglich – darüber waren wir im Dreigestirn mehr oder weniger einig.

Es wurde erstmals richtig ernst

Richtige Uneinigkeit herrschte dann, als die Corona-Leugner-Gruppen, Impfgegner & Verschwörungsideologen ihre Stimmen erhoben, große Demos angekündigt und zumindest teilweise abgehalten wurden und so heftige Märchen durch die Republik geisterten, dass ich tatsächlich dachte, wir hätten den Aberglaube zurückgewonnen. Es ging Angst durch große Teile der Gesellschaft – zu Recht: denn an Corona zu sterben war schon damals für nicht wenige ein erwartbares Risiko und Long-COVID sowie Hospitalisation ein großes Thema. Aber nicht für alle unter uns: wie bezeichnend, dass die große Mehrheit der Verweigerer und Querdenker gar nicht wirklich in die Hauptrisiko-Gruppe fällt und somit nicht so sehr selbst direkt betroffen ist.

Ein stark wachsendes Bollwerk Aufgeklärter, Wissender, Erwachter, Aufgerüttelter, Weltbeschützer und Weltverbesserer zeigte also mehr und mehr Flagge gegen Corona & Impfen und bewies mit ihren Thesen, dass es sehr wohl einen Unterschied zwischen Glauben und Wissen sowie These und Fakt gibt. Hier merkte ich erstmals, wie mein Versuch, das Thema Pandemie in Gänze auf der Sachebene zu halten, scheiterte und sogar zu heftigen Streits führte. Der andere Freund ging immer dann, wenn er nicht mehr gegen-mich-ankam zu Angriffen und großer Emotionalität über, während mein Freund, der an KenFM erkrankt war ruhiger und ruhiger wurde -vielleicht weil er merkte, dass ich etwas kritischer mit Fakten und Zahlen umging als er, er mir aber wiederum kein Kontra geben konnte – oder wollte.

Als aufgrund der Zahlen auf der ganzen Welt eine Corona-Pandemie nicht mehr wegzuwischen war -abgesehen von einem sehr harten Kern Glaubensbewahrer- wechselte der Fokus auf die mittlerweile vieldiskutierte COVID-Impfung. Natürlich dominierten hier die Impfrisiken und die Pausen in unserer Kommunikation wurden insgesamt länger – scheinbar musste Ärger abgebaut werden … auf allen Seiten!

Ich war wegen Aussagen über Impftotenschwemme, Judensterne-für-Ungeimpfte, DDR 2.0 und ähnlicher Aussagen schließlich so genervt, dass ich wieder gezielt loszog und hierüber eigene Recherchen anstellte, um Argumente herauszuarbeiten.

Jeder kann immer alles behaupten: Wer etwas beweisen/ widerlegen möchte, muss sich Mühe geben.

Auf der einen Seite habe ich die Recherche als sehr gewinnbringend empfunden, weil ich so z. B. den Beitrag „Runter vom Kausal-Sockel oder: komm mit mir ins Aberglaubeland.“ schreiben konnte, andererseits kommt man eben auch mit all dem Zeug in Berührung, dass man schon als Zeitverschwendung titulieren möchte … gelinde gesagt. Aber im Rahmen einer fairen Recherche, habe ich mir auch da von einiges angesehen sowie einige Faktenchecks und deren Quellen. Ich habe mir die Schwurbler-Theorien auch deshalb angeschaut, weil ich verstehen wollte, wie sich dieses Gedankengut und diese Wahrnehmung formen kann. Was mir besonders auffiel: die Beweislast scheint einzig und allein auf der Seite der Wissenschaft, Politik und Pro-Impfer zu liegen … Gegner und Ideologen brauchen scheinbar nur ein paar abgelesene Zahlen zu zitieren oder Schaubilder zu erfinden … wenn überhaupt. Es ist mir unverständlich, wie man eher solchen Leuten folgt als den echten Profis. Den Bogen vollständig abgeschossen hat für mich Gunnar Kaiser, der letztlich ein intelligent daherschwätzender, selbstherrlich auftretender Verführer ist. Das er selbst faktisch keine Ahnung von den Fachgebieten Corona und Impfen besitzt, hält ihn jedenfalls nicht davon ab, fleissig zu „argumentieren“. Was er allerdings sehr gekonnt beherrscht ist die Trickkiste der Selbstdarstellung, während er lange und ausführlich, eindringlich und völlig überzeugt schwadroniert. Seinen altklugen Paradoxien konnte ich jedenfalls nichts belastbares entnehmen. Immerhin ist es wohl toll, bewundert zu werden, was man an den Kommentaren ablesen kann.

Spätestens da war bei mir auch klar, wie meine Freunde auf manche Formulierungen und Gedanken kamen. Klar ist, dass solche Pseudo-Philosophen sehr viele Menschen insoweit beeinflussen können, dass diese schwere gesundheitliche Risiken bei sich und anderen in Kauf nehmen … kritisch hinterfragen ist dann doch gesünder.

Ein selbsternannter Statistik-Guru der Bundeswehr hatte die „Pandemie in den Zahlen“ nicht ablesen können. Scheinbar plausibel hergeleitet, als seriöses Youtube-Video getarnt und immer mit einem gesetzten Zweifel in einigen Aussage, wirkt das sehr glaubhaft. Auf die Impfnebenwirkungen ist er nicht mehr im Detail eingegangen (aus Zeitgründen), hatte den Punkt daher ans Ende des Videos platziert und nur eine Zahl im Raum stehen lassen, die Angst machen sollte. Kernbotschaft des Videos: in den Zahlen zur Übersterblichkeit könne man keine Pandemie ablesen und erstmal Vorsicht vor der Impfung, scheint gefährlich zu sein weil unzählige Menschen sterben. Da begann in mir eine Stimme leise und vorsichtig eine Botschaft zu flüstern: „Es geht ums Recht-haben, nicht um die Wahrheit.“

Grenze erreicht.

Als ich beide Freunde mit meinen recherchierten Zahlen konfrontierte, kippte der ohnehin schon brüchige Frieden zum einen Freund final um und ein Schlagabtausch gipfelte in Vorwürfen, Unterstellungen und lächerlich-machenden Bemerkungen. Daraufhin traute ich mir auch eine Provokation zu und unterstellte eine Afd-Mentalität, was den Knaller schlussendlich zündete und mir eine wüste Beleidigung entgegengeschrien wurde, ebenso wie Anfeindungen und Schuldvorwürfe, ich wäre natürlich schuld daran, dass alles so gekommen wäre. Irre.

In den Staaten werden Ehen oft wegen nicht überbrückbarer Differenzen geschieden. Na dann.

Ich betone jedoch: das Problem war nicht die andere Meinung, die vorherrschte, sondern die ganze Art des Umganges mit mir, die Art und Weise der Kommunikation und letztlich offene Respektlosigkeit, die es doch nie gab, seinerseits. Das war nicht mehr Augenhöhe und eine Freundschaft macht nicht viel Sinn, wenn dazu noch das ganze C-Thema (mit Impfen) zensiert wird, also nicht mehr angesprochen werden darf. Da ist doch dann ganz grundsätzlich etwas nicht mehr in Ordnung …

Sicherlich war ein solches Ende, wenn ich ganz ehrlich gegen mich selber bin, absehbar – mit heutigem Wissen aber nicht abwendbar. Da wir aber eine sehr vertrauensvolle, ehrliche und langjährige Freundschaft hatten und er mir in einer sehr schwierigen Lebensphase beistand, war es mir wichtig, auch meinerseits eine Art Freundschaftsdienst zu leisten – ihn also nicht zu früh aufzugeben. Seinem Vorwurf, ich würde nur meine Meinung gelten lassen und wäre damit im Grunde diktatorisch, habe ich unzählige Male versucht zu widerlegen, auf verschiedenen Arten: erfolglos. Seiner größten Angst, der vor Impfnebenwirkungen, habe ich versucht sachlich und objektiv zu begegnen und entsprechende Zahlen zu präsentieren, damit vielleicht erkannt wird, dass eine Impfung nicht sofort Sarg bedeutet. Es gäbe ja noch so etwas wie Wahrscheinlichkeiten, was dann auch nur noch mit alles Blödsinn, kommentiert wurde.

Manche Mitmenschen unter uns sind während der Corona-Pandemie -ideologisch gesehen- verloren gegangen … einige werden es wohl bleiben, weil es nicht sein kann, dass sie unrecht haben. Das wäre ein herber Schlag gegen das ganze Persönlichkeitsgefüge und damit scheint Sturheit wohl auch so etwas wie eine Art Lebenserhaltung zu sein. Man darf jede Meinung haben, das ist nicht verboten bei uns. Aber diese Meinung ist nicht automatisch richtig und allgemeingültig und demzufolge müssen wir nicht alle Gesetze ändern oder alles zulassen, was denkbar ist. Das Wohl vieler ist ebenso schützenswert wie das Wohl Einzelner – manchmal muss das gegeneinander aufgewogen werden. Was aber nicht geht ist, Meinung über Fakten zu stellen und darüber noch das Ego. Gerade bei einer Pandemie ist es unerläßlich, umsichtig und rational zu handeln, die Wissenschaft zu befragen und immer wieder Neu-Bewertungen durchzuführen, damit man Fehler korrigieren und/ oder vermeiden kann. Kollateralschäden muss man natürlich auch im Blick behalten und hier gehe ich meinen Freunden wieder mit: das ist leider viel zu wenig geschehen, wie so oft … aber das ist ein politisches Thema und dagegen kann man auch nicht geimpft werden.

Traurige Grüße
Stephan Keßler

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2 Antworten auf „Leckgeschlagen: wenn eine Freundschaft untergeht.“

  1. Nun ja…
    Das Corona Thema hat Risse erzeugt… in Familien zB, die sich vorher durchaus für intakte Kleinfamilien gehalten haben… Mit Eltern wird nicht mehr kommuniziert, Schwestern reden nicht mehr miteinander, Brüder gehen sich aus dem Weg… Menschen in derselben Generation…
    Aber können wir Katastrophen, Gefahren, Unglück, etc nicht nur als Gemeinschaft bewältigen, überleben, durchstehen….?
    Letztlich sind wir Menschen auch nur als „Herde“ überlebensfähig…

    In weitreichenden Gedanken
    Barbara

    1. Liebe Barbara, ich stimme Dir zu: wir sind Herdentiere und demzufolge aufeinander angewiesen. Bei Corona und gegen Ende eher beim Impft-Thema war keine Kommunikation mehr möglich und manche Menschen haben sich aus bewusst auch in eine Distanz bewegt. Es war in meinem Fall z. B. nie meinerseits gesagt worden: „Nur wenn Du dich impfst, bleiben wir Freunde.“ Das habe ich nie als Auflage gemacht … es scheiterte an einem Punkt, wo jemand Vernunft & Ratio ablehnt und mir auflagen macht, was ich noch sagen darf, obschon er gleichsam der „Regierungsdikatur“ zuruft: „Ich werde unterdrückt; es gibt keine Meinungsfreiheit mehr.“
      Unsere Überschwmmungsgebiete haben ja beispielhaft Solidarität und Zusammenhalt gefordert, die dann in überwältigender Art und Weise einsetzte. Zumindest auf der menschlichen Ebene … wenn es drauf ankommt, helfen viele mit, das hat mich sehr berührt.
      Bei Corona gab es auch Zusammenhalt, aber der war nicht so greifbar, aber viele Menschen haben Lockdown ausgehalten und haben sich testen und schliesslich impfen lassen, damit schnellstmöglich wieder Normalität erreicht werden kann. Leider stehen uns immer noch oder wieder Ideologien im Weg, die wie Rotz am Ärmel kleben und die wir einfach nicht weg bekommen 🙁
      Verschniefte Grüße
      Stephan 😛

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