‚A Plague Tale – Innocence‘ ist eine atemberaubende Reise für alle Sinne und besonders das Herz (Spielrezension #2)

A Plague Tale – Innocence hatte mich nach dem ersten verschlungenen Trailer schon so hungrig gemacht, dass ich sogleich loszog, um günstig an die neue Mahlzeit zu gelangen. Der heutige, digitale Spielemarkt platzt aus allen Nähten und wirkt auf Neulinge unübersichtlich, undurchdringlich, überfordernd. Wer sich aber eine Expedition zutraut und eine Weile auf den Seiten von Spieletestern und -herstellern unterwegs ist, die großen Spiele-Platformen entdeckt hat und sich dann durch die vielen Genre und Unmengen an Anpreisungen wühlt, fühlt sich unweigerlich an einen orientalischen Basar erinnert. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, was sowohl an den vielen unterschiedlichen Zubereitungsarten, als auch an den mannigfaltigen Gewürzen, mit denen Spiele verfeinert sind, liegt. Neben Fastfood ist natürlich auch der eine oder andere suchtmachende Happen Leckeres mit dabei. Mit etwas Geduld und Selbstbeherrschung können günstige Snacks ergattert werden, wenn man denn weiß, was man will und sich entscheiden kann. Spielzeit ist eben auch Lebenszeit und manchmal fällt die Entscheidung, wieviel man davon für Games aufgeben will, schwer. Früher oder später kommt immer mal ein Spiel daher, welches einfängt und auf eine Reise mitnimmt, von der man nur schwerlich zurücktreten kann. A Plague Tale – Innocence hat mich gekriegt und die Lebenszeit war gut investiert.

Weiterlesen

Was man von der Corona-Pandemie lernen kann und wo die Grenze erreicht ist.

Wenn man die Themen Corona, Pandemie, Maßnahmen und Impfen gesamtheitlich betrachtet, muss man attestieren, dass es am Ende dann doch auf die Sp(r)itze getrieben wurde. Manche haben dies mit ihrer Berichterstattung forciert, andere mit ihren Taten unterstützt und wieder andere empfinden alles als Belastung, Bevormundung, Druckausübung und Entrechtung. Auch der Umgang von Impfbefürwortern mit Verschwörungsideologen und Impfgegnern ist grenzgängig, manchmal aus Verzweiflung, manchmal aus Wut, manchmal aber auch aus Überforderung. Vielleicht kann man vieles irgendwie nachvollziehen und Erklärungsversuche finden, aber am Ende müssen unangenehme Fragen geklärt und der Mut gefunden werden, Entscheidungen zu treffen, die das Wohl aller im Auge haben. Das gesundheitliche – nicht das finanzielle. Beachtlich, wie sehr sich eine Gesellschaft wegen einer Impfung spalten kann und in Wahrheit zeigt sich durch die Pandemie, wie unsere Gesellschaft wirklich tickt.

„Was man von der Corona-Pandemie lernen kann und wo die Grenze erreicht ist.“ weiterlesen

Alle elf Minuten ein Suizid – Psychische Probleme bei Jugendlichen

Lesempfehlung #3: Web-Link (öffnet im neuen Tab)

von Antje Passenheim, ARD-Studio New York
veröffentlicht auf tagesschau.de am 05.10.2021

„Psychische Erkrankungen unter Jugendlichen nehmen laut UNICEF zu: Jedes Jahr begehen weltweit rund 46.000 Zehn- bis 19-Jährige Suizid. Experten fordern ein schnelles Gegensteuern.“

„Alle elf Minuten ein Suizid – Psychische Probleme bei Jugendlichen“ weiterlesen

Leckgeschlagen: wenn eine Freundschaft untergeht.

Während der Corona-Zeit habe ich mit manchen Menschen intensive Gespräche geführt und zum Teil emotionale Erfahrungen gemacht, die mich tatsächlich eine Weile nicht ganz losgelassen haben. Was als Aufklärungs- oder vielmehr Aufrüttelversuche zweier Freunde mir gegenüber begann, endete in Rissen und Scherben auf allen Seiten. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, bin neuen Impulsen gegenüber höchst einladend aufgestellt und erfreue mich an jeder neuen Erkenntnis, die ich machen darf. Wahrheiten müssen für mich kausal nachvollziehbar und faktisch überprüfbar sein sowie in Summe für möglichst alle einen positiven Mehrwert besitzen – mal auf die Gründsätze heruntergebrochen. Ein fairer Umgang mit Meinungsfreiheit war mir nie fremd, allerdings habe ich immer auch zwischen Meinung und Faktum unterschieden, so genau mag ich dann doch sein. Man kann Meinungen gelten lassen, aber wer sich selbst weiterentwickeln möchte, kommt an einem fakten-orientierten Denken kaum vorbei. Wie will man denn die ursächlichen Gründe für Fehlschläge, Irrwege bzw. Irrungen und Fehler ergründen, wenn nicht dadurch, kausale Zusammenhänge zu erschließen? Als meine Freunde genau dieses Prinzip ins Lächerliche zogen und munter Verschwörungstheorien verbreitete, Fakten ignorierten und Falschmeldungen unterstrichen, lebte ich richtig auf und erfreue mich einer reichhaltigen Diskussion. Ich informierte mich auf breiter Ebene und recherchierte offiziellen Zahlen nach – auch um für mich selbst sicher zu gehen, dass ich nicht einfach Berichten blind glaubte. Was dann über Monate folgte, war aufwühlend.

„Leckgeschlagen: wenn eine Freundschaft untergeht.“ weiterlesen

Runter vom Kausal-Sockel oder: komm mit mir ins Aberglaubeland. [Update]

Zugegeben, wenn es an die haarigen Themen im Leben geht, stehe ich gerne in den Startlöchern für eine gepflegte Diskussion. Dann und wann wird dies zur Herausforderung, weshalb ich stets bemüht bin, mein Gegenüber nicht einfach nur zu beziegen. Ich schätze den anspruchsvollen Austausch von Fakten, Ansichten, Meinungen und mein Herz geht auf, wenn das verhältnismäßig ohne Emotionen auf Sachebene vonstattengeht, zumindest aber ohne Beleidigungen. Für manche Mitmenschen mag ein gepflegter Streit gleichzeitig Lebensqualität bedeuten und wird als reinigendes Gewitter empfunden – ich bin mir nicht sicher, ob ich dem ganz folgen mag. Bestimmt ist es so, dass sich hochkochende Emotionen früher oder später zu einem Punkt auftürmen, an dem man seinem Unmut Luft macht und Dinge auf den Tisch bringt, die schon lange unter der Oberfläche schwelen. Die Gefahr besteht dann darin, dass man zum Angriff übergeht und seinen Gegner eben zu besiegen versucht. Der Austausch kommt spätestens hier zum Erliegen, denn von da an geht es nunmehr um Macht und Ego-Themen sowie -wenn es ganz wüst wird- Selbstverteidung. Warum der Austausch auf Sachebene gerade in aktueller Zeit so oft scheitert, liegt überwiegend an der Angst, die vielen in den Knochen steckt und früher oder später zum bestimmenden Faktor wird. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit.

„Runter vom Kausal-Sockel oder: komm mit mir ins Aberglaubeland. [Update]“ weiterlesen

‚Gris‘ bezaubert und umspielt die Sinne (Spielrezension #1)

Ganz sanft gespielte Töne, fast verspielt, aber mit einer nachdenklichen, träumerischen Note, begleiten mich, während ich die ersten Bilder von Gris erlebe, die erste Vorstellung sozusagen, die sich sehr unaufdringlich als Tutorial versteckt und vielmehr als Einführung daherkommt. Schon die musikalische Begleitung von Berlinist hat mich sofort in den Bann gezogen, aber als deutlich wurde, dass die 2D-Welt aus wunderschön gemalten Elementen besteht, hat Gris mich gehabt. Gris ist die Protagonistin, die wir im Spiel auf ihrer Reise steuern, welche sich als tiefsinnig, anspruchsvoll aber wunderschön entpuppt.

Weiterlesen

Wer sich nicht empört ist ein Schläfer oder: mehr Mittelweg tut Not.

Fragte man mich heute, welche Herausforderung während der bisher erlebten (und bislang überlebten) Corona-Pandemie mich die meiste Kraft, die größten Nerven und längste Kondition erforderte, so ist meine Antwort klar: Kontenance zu wahren. Als die ersten Berichte einer neuen viralen Infektionskrankheit aufkamen, hat man recht verhalten Nachrichten interpretiert und gehofft, dass es schon alles nicht so schlimm kommen wird. Bekanntlich irrt man sich im Leben und manches ist auch nicht vorherzusagen, auch wenn dies viele Menschen von anderen gerne einfordern. Spätestens als klar war, dass eine große Pandemie durch die Bevölkerung zieht und man teils zu unangenehmen Konzepten greifen muss, um eine unkontrollierte Seuche zu vermeiden, stellt sich heraus, dass man fast weniger sprachlos wegen der vielen Toten und Menschen mit Spätfolgen ist, als vielmehr wegen des Verhaltens großer Teile unserer Gesellschaft.

„Wer sich nicht empört ist ein Schläfer oder: mehr Mittelweg tut Not.“ weiterlesen

Konflikt mit der inneren Wahrheit.

Wenige Tage und Wochen nach den verheerenden und mitunter sintflutartigen Überschwemmungen wird mir als Nichtbetroffener mehr und mehr bewusst, was da eigentlich geschehen ist. Die Starkregenfälle haben uns knapp verfehlt und sind nur wenige Kilometer weiter vorbeigezogen, sehr zum Leidwesen einiger Dörfer, Städte und gar ganzer Landstriche. Schaut man sich die Berichterstattung an, bleibt man sprachlos zurück, kann das Ausmaß selbst nicht recht begreifen. Der Verstand weiß, dass ganz, ganz viele Menschen einen mehr als herben und mit Sicherheit lange nachklingenden Schicksalsschlag erdulden mussten und gleichwohl weiß man, dass man das nur nachempfinden kann, wenn man selbst betroffen ist. Ich weiß, wie Du dich fühlst. Selten ist ein Satz von Nichtbetroffenen unangebrachter. Interviewte Menschen finden kaum Worte um das Unfassbaren zu beschreiben, das Unausprechliche zu benennen und genau dies ist, was am Ende alles sagt. Während Menschen mit der Katastrophe kämpfen -glücklicherweise mit unzähligen hilfreichen Händen- erinnere ich mich meines eigenen Verlustes und schäme mich sogleich, denn andere haben es gerade schwerer. Ich merke, wie ich dem doch begegnen muss und wage den Versuch, passende Worte zu finden.

„Konflikt mit der inneren Wahrheit.“ weiterlesen

Dinge die gut tun und Türen öffnen.

Draußensein. Frischluft. Sonnenlicht. Bewegung. Mitwanderer. Zugegeben: anfangs war ich ob dieser Rahmenbedingungen doch sehr herausgefordert, als ich mich Barbara von Klaas‘ Wandergruppe anschloss. Weil das Universum ja clever ist, habe ich als erste Wanderung sogleich einen 50km-Gewaltmarsch bei 45 Grad im Schatten -durch die Wüste- absolvieren dürfen … jedenfalls fühlte es sich so an. Der Überforderung entlarvt, war mein inneres Gleichgewicht sagen wir schiefstehend, aber stabil: das Durchschnittsalter war gefühlt 70 und das geht ja nicht, dass mir die mehr als rüstige Rentnertruppe davonläuft. Da muss man sich anerkennend verneigen vor soviel Disziplin und Sportlichkeit im hohen Alter! Natürlich übertreibe ich mit den 50km ein wenig, aber bergauf-bergab bei hochsommerlichen Temperaturen und vielen Etappen unter freiem (!) Himmel als Schreibtischbleichgesicht haben rote Spuren auf meiner behüteten Haut hinterlassen. Das ist doch bestimmt schmerzensgeldligaverdächtig! Schließlich hat mich die Tatsache, dass der Gruppenvorderste zugleich Gruppenältester war, dann doch Demut gelehrt. Vielleicht muss nicht erwähnt werden, dass mein freches Mundwerk -auf meinen Körper bezogen- die längste Kondition an den Tag legte. Auf lange Sicht hatte allerdings mein Muskelkater den längsten Atem.

„Dinge die gut tun und Türen öffnen.“ weiterlesen

Man ist kein Depressiver! Man hat Depressionen.

Als ich Torsten Sträter dies sinngemäß während eines Interviews sagen hörte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Meine emotionale Reaktion war deutlich und die meines Ego’s entsprechend distanziert: wieso bin ich da nicht selbst drauf gekommen? Ganz einfach: weil ich mich mit Depressionen identifiziert hatte und es bewusst nicht mehr als Krankheit wahrnahm. Da sitzen also Torsten Sträter und Kurt Krömer in einem Interview (ist am Beitragsende verlinkt) und Krömer spricht Torsten auf seine öffentliche Äußerung an, an Depressionen zu leiden. Es beginnt ein offenes, schnell intimer werdendes und sehr respektvolles Gespräch über die Krankheit Depressionen mit vielen sehr persönlichen Nuancen beider Beteiligten. Es zeigt: öffentlich zu dieser Krankheit zu stehen ist teilweise immer noch mit einem Stigma versehen und die innere Haltung hierzu kann sehr ambivalent sein – beides weiß ich aus eigener Erfahrung.

„Man ist kein Depressiver! Man hat Depressionen.“ weiterlesen